/ Kursdetails
Max Czollek. Versöhnungstheater- eine Kritik der deutschen Erinnerungskultur Lesung & Gespräch
Status | |
Kursnummer | 231C2500 |
Beginn | Di., 13.06.2023, 19:00 - 21:00 Uhr |
Kursgebühr | 0,00 € |
Dauer | 1 Termin |
Kursleitung |
Peter Brollik
|
Kursort |
VHS am Sonnenhausplatz
Lüpertzender Straße 85, 41061 Mönchengladbach |
Erinnerungskultur ist dazu da, die Gegenwart so einzurichten, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholt. Max Czollek streute bereits mit "Des-integriert Euch" (mit Sasha Marianna Salzmann) und "Gegenwartsbewältigung" scharf und gewitzt Zweifel an den deutschen Narrativen von Integration bis Leitkultur.
Mit "Versöhnungstheater" schließt Czollek diesen Kreis, wenn er nach der aktuellen Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit fragt. Seit weltweit bewunderten Gesten der deutschen Selbstvergewisserung vom Warschauer Kniefall bis zum Holocaust Mahnmal, hat sich in letzter Zeit einiges gewandelt. Das Berliner Stadtschloss (Humboldt Forum) feiert Preußens Könige, mit einem neuen Blick auf Bundeswehr und Militärausgaben wird eine Zeitenwende beschworen und der Bundespräsident bedankt sich während seiner Israelreise ungefragt für die "Versöhnung". Deutschland ist wieder wer - auch weil es sich so mustergültig an den Holocaust erinnert, mit einer vermeintlich umfassenden und gelungenen Erinnerungskultur.
Czollek beschreibt ,wie die Gleichsetzung von Erinnerung und Versöhnung aus der Sicht von Nachfahren der Opfer ein Affront sein kann. Schließt er doch fast schon paradigmatisch die emotionale Dimension von Untröstlichkeit und Unversöhnlichkeit aus. Und relativiert so, dass das Jüdisches Leben in Deutschland heute und bis auf unbestimmte Zeit nicht bloß die Geschichte derjenigen ist, die da sind, sondern auch derjenigen, die da sein sollten. Im Mittelpunkt stehe nicht die Trauer um das, was nie wieder gut werden kann, sondern eine Versöhnung der deutschen Gesellschaft mit sich selbst und ihrer Geschichte - Czollek nennt es: Wiedergutwerdung
Vor dem Hintergrund einer politischen Radikalisierung des rechten populistischen Lagers stellt sich die Frage: wollen wir Gesellschaft auf Augenhöhe bringen mit ihrer eigenen Vielfalt, die heute längst Realität ist? Oder zurückgehen in eine illusionäre Zeit nationaler Homogenität und Hierarchisierung? Hier könnte Erinnerungskultur weiterhelfen, weniger als selbstgewisses positives Beispiel, sondern indem sie zeigt, wie schlimm die Dinge werden können.
Czollek formuliert scharfzüngig und versteht seinen Kritikimpuls primär als Debattenbeitrag. Es gehe um das Begreifen und Akzeptieren völlig unterschiedlicher Perspektiven - eine Kernlektion für eine plurale Demokratie.
Max Czollek ist Autor und Mitherausgeber des Magazins "Jalta- Positionen zur jüdischen Gegenwart". Er war Mitinitiator des Desintegrationskongresses 2016 sowie der Radikalen Jüdischen Kulturtage 2017 am Maxim Gorki Theater. Czollek hat drei Gedichtbände publiziert; seine Essays erscheinen im Hanser Verlag. Im Frühjahr 2022 war Max Czollek Kurator der Ausstellung "Rache. Geschichte und Fantasie" im Jüdischen Museum Frankfurt. (Katalog bei Hanser)
Veranstalter ist der Grüne Salon Mönchengladbach/ Heinrich-Böll-Stiftung NRW mit der VHS MG und dem Förderverein der Stadtbibliothek - Lust am Lesen e.V., sowie Kulturbüro Mönchengladbach
Eintritt ist kostenfrei.
Mit "Versöhnungstheater" schließt Czollek diesen Kreis, wenn er nach der aktuellen Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit fragt. Seit weltweit bewunderten Gesten der deutschen Selbstvergewisserung vom Warschauer Kniefall bis zum Holocaust Mahnmal, hat sich in letzter Zeit einiges gewandelt. Das Berliner Stadtschloss (Humboldt Forum) feiert Preußens Könige, mit einem neuen Blick auf Bundeswehr und Militärausgaben wird eine Zeitenwende beschworen und der Bundespräsident bedankt sich während seiner Israelreise ungefragt für die "Versöhnung". Deutschland ist wieder wer - auch weil es sich so mustergültig an den Holocaust erinnert, mit einer vermeintlich umfassenden und gelungenen Erinnerungskultur.
Czollek beschreibt ,wie die Gleichsetzung von Erinnerung und Versöhnung aus der Sicht von Nachfahren der Opfer ein Affront sein kann. Schließt er doch fast schon paradigmatisch die emotionale Dimension von Untröstlichkeit und Unversöhnlichkeit aus. Und relativiert so, dass das Jüdisches Leben in Deutschland heute und bis auf unbestimmte Zeit nicht bloß die Geschichte derjenigen ist, die da sind, sondern auch derjenigen, die da sein sollten. Im Mittelpunkt stehe nicht die Trauer um das, was nie wieder gut werden kann, sondern eine Versöhnung der deutschen Gesellschaft mit sich selbst und ihrer Geschichte - Czollek nennt es: Wiedergutwerdung
Vor dem Hintergrund einer politischen Radikalisierung des rechten populistischen Lagers stellt sich die Frage: wollen wir Gesellschaft auf Augenhöhe bringen mit ihrer eigenen Vielfalt, die heute längst Realität ist? Oder zurückgehen in eine illusionäre Zeit nationaler Homogenität und Hierarchisierung? Hier könnte Erinnerungskultur weiterhelfen, weniger als selbstgewisses positives Beispiel, sondern indem sie zeigt, wie schlimm die Dinge werden können.
Czollek formuliert scharfzüngig und versteht seinen Kritikimpuls primär als Debattenbeitrag. Es gehe um das Begreifen und Akzeptieren völlig unterschiedlicher Perspektiven - eine Kernlektion für eine plurale Demokratie.
Max Czollek ist Autor und Mitherausgeber des Magazins "Jalta- Positionen zur jüdischen Gegenwart". Er war Mitinitiator des Desintegrationskongresses 2016 sowie der Radikalen Jüdischen Kulturtage 2017 am Maxim Gorki Theater. Czollek hat drei Gedichtbände publiziert; seine Essays erscheinen im Hanser Verlag. Im Frühjahr 2022 war Max Czollek Kurator der Ausstellung "Rache. Geschichte und Fantasie" im Jüdischen Museum Frankfurt. (Katalog bei Hanser)
Veranstalter ist der Grüne Salon Mönchengladbach/ Heinrich-Böll-Stiftung NRW mit der VHS MG und dem Förderverein der Stadtbibliothek - Lust am Lesen e.V., sowie Kulturbüro Mönchengladbach
Eintritt ist kostenfrei.
Datum
13.06.2023
Uhrzeit
19:00 - 21:00 Uhr
Ort
Lüpertzender Straße 85,
VHS am Sonnenhausplatz;1.Stock;Raum 113 (Saal)